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85. Montagsgespräch im Musiklabor München

Hans Rudolf Zeller

Franco Evangelisti und Nuova Consonanza

Die Konzertgesellschaft Nuova Consonanza war bereits 1961 in Rom gegründet worden, die gleichnamige, von Franco Evangelisti mit befreundeten Komponisten gegründete Improvisationsgruppe, hingegen erst 1964. Anders als in früheren Jahrhunderten verfolgte Nuova Consonanza das Konzept der Gruppen- oder Kollektivimprovisation von Ensembles mit mindestens zwei Spielern, ohne auf schriftliche Aufzeichnungen Bezug zu nehmen. Erstmals in der Musikgeschichte bedeutete Aufführung nicht mehr die Interpretation einer als Notentext vorliegenden Komposition, sondern die Komponisten improvisierten nach zuvor bestimmten Regeln, wobei sie als einzige Begrenzung ihrer Freiheit das temperierte System akzeptierten, von der sie sich gerade die Erweiterung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten versprachen. Dem diente auch die Beachtung eines Regelsystems für die Diskussion und nachfolgende Realisierung von Improvisation innerhalb der Gruppe im Interesse eines Zusammenspiels, "bei dem keiner den anderen überflügelt, so kann eine gemeinsame Sprache gefunden werden, die dann Ausdruck der Gruppe selbst ist oder wird". Dem dienen auch verschiedene Übungen in diversen Dimensionen, zum Beispiel der Zeit, der Verhältnisse zwischen den Tonhöhen, verschiedene Dynamiken usw., die solange wiederholt werden, bis das gestellte Problem gelöst und ein zufrieden stellendes Niveau erreicht ist. 

Improvisation im Sinne Evangelistis bezog von Anfang an wie in seinen Kompositionen auch elektronische Klänge und ihre Medien mit ein, war also keineswegs nur ein anachronistisches Improvisieren mit traditionell instrumentalen oder vokalen Mitteln. Gegenüber den Werken des Autors Evangelisti, der danach fast endgültig schwieg, um an einem Buch unter dem Titel "Vom Schweigen zu einer neuen Klangwelt" zu arbeiten, ist nun ein Kollektiv, zu dem auch Evangelisti zählen kann, der Autor. Solch beredtes Schweigen war jedoch ein Kennzeichen (oder auch Makel?) der experimentellen Musik insgesamt und aktuell seit den 60er Jahren und nur um den Preis der Lüge zu eliminieren. Daher wäre Evangelisti zuzustimmen: seine "Kunst der Improvisation ist faszinierend ... und führt zu einer inneren und äußeren Spannung, die ... in der nicht mehr schriftlich fixierten Musik die einzige heute noch mögliche Magie ist."

Montag, 18. Februar 2002 - 20:00 Uhr

Eintritt frei

München Luisenstr. 37a
Eingang Rückseite
Seminar-Raum L 18 Erdgeschoß
U2 Königsplatz

Musiklabor

Veranstalter:
Echtzeithalle e.V.
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München

Tel. 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

Letzte Änderung: 10.01.2007
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