ECHTZEITHALLE e.V. MÜNCHEN
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258. Montagsgespräch

Autorenmusik

Elmar Guantes - Kontrabass, Dieter Trüstedt - Computermusik und Chin, Hans Wolf - Klavier.

Montag 9. März 2009 20 Uhr
Eintritt frei
Carl-Orff-Auditorium, München, Luisenstr. 37a, U-Bahn Königsplatz

Drittes Montagsgespräch im Rahmen des Projektes MUSIK UND MATERIE
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München, dem Deutschen Musikrat, dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Echtzeithalle München.
7 weitere Montagsgespräche folgen.

 

 
Es geht um den Begriff selbst, um das Musikmachen außerhalb des Prozesses Komponist-Interpret. Wir werden diese Musikform vorstellen an Stücken, die ausschließlich aus der Gruppe heraus entstanden sind bzw. die sich vor Ort nach Absprache - aber ohne Vorlage - entfalten. Es geht hier nicht um Improvisation innerhalb eines bestimmten Stils, innerhalb einer bestimmten Melodik, Harmonik oder Rhythmik, sondern um Stücke, die aus übergeordneten Vorstellungswelten entstehen - vielleicht eine dritte Dimension der Musik (Edgar Varèse - Raum, Klang, Fläche, Bewegung, Architektur, Mathematik, Geometrie). Im folgenden Glossar werden einige Begriffe - relativ subjektiv - beschrieben.
 
GLOSSAR
 
absichtslos
John Cage - Um seinem Ideal einer absichtslosen Musik auch in anderen Kompositionen möglichst nahe zu kommen, arbeitete Cage mehrfach mit dem Zufallsprinzip. Er erreichte damit, dass die Auswahl der Töne nicht nur völlig unabhängig von einem wertenden Aufbau, sondern auch darüber hinausgehend unabhängig vom individuellen Geschmack des Komponisten sind.
absichtslos
Wort im Rating von Jörg Schäffer und Dieter Trüstedt zur Wahrnehmung der Wirklichkeit (subjektiv - intuitiv und objektiv - diskursiv - als Koordinationsachsen zur Fragestellung). Das Wort "absichtslos" liegt nahe der Worte "sensorisch, ganzheitlich, assoziativ, chaotisch, innovativ, unabhängig, nicht-logisch, experimentell, magisch, neugierig etc. Der Gegenpol enthält Worte wie reproduktiv, dialektisch, genau, dizipliniert, künstlich, formal etc. Vortrag Dieter Trüstedt u.a. in Fra ordine e caos Rom und 2. Künstlersymposion Ulm.
Autor
hier Urheber eines Werks der Musik, Kunst, Fotografie, Filmkunst.
Autorenmusik
Urheber der gespielten Musik sein.
Dreieckschwingung
(geometrisch-mathematischer) Klang in der elektronischen Musik.
Evangelisti, Franco
1964 gründete er mit Ennio Morricone und anderen Komponisten das Improvisationsensemble Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza. - Komponisten improvisieren als Kollektiv, in "Melos", XXXIII (1966), pp. 86-88. - Grammophon-Schallplatte, 643541, u.a. mit E. Morricone, F. Evangelisti.
Free Jazz
ist einerseits ein historischer Begriff für (harmonisch) freies Improvisationsspiel im Jazz seit den 1960er Jahren. Andererseits ist es ein bis heute ausstrahlendes Paradigma, das die Möglichkeit zur freien Entfaltung immer neuer Formen im Jazz und auch darüber hinaus (etwa in der Intuitiven Musik) bereithält.
- Art Ensemble of Chicago
Guantes, Elmar
geb. 1962 in Innsbruck. Kontrabass, Mitglied des Autorenensembles München. Ausbildung: Konservatorium Innsbruck, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien, Jazzakademie Graz, Institut für Elektroakustik und experimentelle Musik Wien. Auslandsaufenthalte: Frankreich, England, Holland. Zusammenarbeit mit Barré Phillips und Fred Frith. Projekte: Tourneen, Rundfunkproduktionen, Konzertveranstaltungen, Mitwirkung in vielen Gruppierungen. Dozententätigkeit in Freiburg, Hongkong und Kunstakademie Kanton, China.
Hoëné-Wronski, Josef
1778-1853, Philosoph und Mathematiker. In der Mathematik schlug er eine Reihenentwicklung für Funktionen vor, deren Koeffizienten die heute so genannten Wronski-Determinanten sind.
Helmholtz, Hermann von
(1821-1994) war ein deutscher Physiologe und Physiker. Als Universalgelehrter war er einer der vielseitigsten Naturwissenschaftler seiner Zeit und wurde auch Reichskanzler der Physik genannt.
- Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik, 1863.
Imagination
(lat.: imago „Bild“) im weiten, umgangssprachlichen Sinne ist die Fähigkeit, Konzepte, Ideen oder Bilder zu entwickeln oder zu erinnern, die materiell nicht vorhanden sind (Vorstellungskraft). Albert Einstein hat die Aussage geprägt: Die Imagination ist wichtiger als das Wissen.
Improvisation
ohne Vorbereitung, aus dem Stehgreif Darbebotenes, stilsicher und die Strukturvorgabe einhaltend bzw. anhand kompositorischer Vorgaben improvisieren.
Kohärenz
(v. lat.: cohaerere = zusammenhängen) bezeichnet in der Physik eine Eigenschaft von Wellen, die stationäre (zeitlich und räumlich unveränderliche) Interferenzerscheinungen ermöglicht. Ein Sinuston über zwei räumlich getrennte Lautsprecher wiedergegeben erzeugt stationäre Schallmaxima und -minima im Raum.
Komponist
(lat. componere = „zusammensetzen“) ist eine Person, die musikalische Werke (Kompositionen) erschafft. Das Ergebnis des Kompositionsvorganges liegt abschließend meist in notierter Form (per Hand oder direkt als Notensatz im Computer) vor; insbesondere in der Elektronischen Musik sind die Werke auch in Form von Tonträgern üblich. Die Musik eines Komponisten wird (wenn von der Elektronischen Musik abgesehen wird) durch Interpreten (Musiker, Sänger) zum Erklingen gebracht.
min~
ein Objekt in Pure Data, das von zwei Schwingungsverläufen immer den kleineren Wert weitergibt.
Musik, elektronische
mit elektronischen Mitteln (Computer) hergestellte Musik. Ausgangsmaterial sind mathematische und physikalische Phänomene, Formeln, Modelle, Methoden (Sinus, Frequenz, Amplitude, Rauschen, Filter, Summe, Produkt, Kohärenz, Logarithmus, Reihe, Phase etc.).
Musik
son organisé (Edgar Varèse), Verkörperlichung von Geist im Klang. Entsprechend der Aussage von Hoene-Wronski:"la corporification de l'intelligence qui est dans les sons".
Niemansland
zwischen Kunst und Wissenschaft - unbekanntes, noch unerschlossenes, unbesiedeltes Land. Uns interessiert die Musik dieses Niemanslandes. Vielleicht war dieses Land mal besiedelt - bis vor ca. 500 Jahren - als Kunst und Wissenschaft - hier besonders die Mathematik - noch eine wichtige Rolle in der Entwicklung der abendländischen Musik spielte. Was ist inzwischen alles passiert? Wie sieht heute dieses Land aus? Wie klingt dort die Musik?
Partitur
übersichtliche, Takt für Takt in Notenschrift auf einzelnen übereinander liegenden Liniensystemen angeordnete Zusammenstellung aller zu einer vielstimmigen Komposition gehörenden Stimmen.
Poème Électronique
Edgar Varèse, 2 min 40 sec Elektronische Musik für den Weltausstellungspavillon 1958 (Auftrag 1956). Erstes Multimediales Kunstwerk. http://trumpet.sdsu.edu/M345/Varese.html(für Realplayer)
Pulsar
ein schnell rotierender Neutronenstern. Die Symmetrieachse seines Magnetfeldes weicht von der Rotationsachse ab, weshalb er Synchrotronstrahlung entlang der Dipolachse aussendet. Liegt die Erde im Strahlungsfeld, empfängt man wie von einem Leuchtturm regelmäßig wiederkehrende Signale. Die Rotationsdauer eines Pulsars ohne Begleiter liegt zwischen 0,01 s und 8s. (Aussage von Elmar Guantes: "Das klingt wie ein Pulsar.")
Quinte
der 5. Ton in der abendländischen Tonleiter. Gleichzeitig der 3. Teilton eines harmonischen Klanges bzw. das Tonfrequenzverhältnis 3 zu 2. Wird auch auf rhythmische Strukturen übertragen.
Schwebung
Eine Schwebung ist eine Schwingung mit periodisch veränderlicher Amplitude. Sie entsteht durch Überlagerung von Schwingungen mit ähnlichen Frequenzen, f1 muss ungefähr f2 sein. Die Schwebungsfrequenz ist (f1-f2) /2 der Überlagerung - und der neue Ton hat die Frequenz (f1+f2) / 2.
Sinnlichkeit
das den Sinnen zugewandte Sein.
Sinus
Wellen wie Schallwellen, Wasserwellen, elektromagnetische Wellen lassen sich aus Sinuswellen zusammengesetzt beschreiben, so dass die Funktionen in der Physik allgegenwärtig sind. Das Sinnesorgan Ohr zerlegt den eintreffenden Schall in seine Sinuskomponenten und führt damit eine Fourieranalyse durch: je nachdem, wie viel einer solchen Komponente in dem Gesamtsignal vorhanden ist, wird ein Ton entsprechender Lautstärke und Frequenz wahrgenommen.
Trüstedt, Dieter
geb. 1939 in Berlin. Mitglied des Autorenensembles München. Physiker und Künstler: Elektronische Musik, eigene Musikinstrumente, Lichtkunstprojekte, Computerkunst. Promotion in Kernphysik. Entwicklung von elektronischen Musikinstrumenten und Konzert-Installationen. Eigene Kompositionen. Flash-Konzerte. Zusammenarbeit mit Yoshi Oida und Auftritte weltweit. Lehrtätigkeit HdK Berlin, Universität Ulm und Musikhochschule München. Aufbau der Echtzeithalle und des Musiklabors München.
Varèse, Edgar
Französischer Komponist. Er studierte zunächst Mathematik und Naturwissenschaften, was nicht ohne Auswirkung auf seine Musik geblieben ist. 1958 - das Projekt das Poème électronique, das in Zusammenarbeit mit Le Corbusier und dessen damaligem Assistenten Iannis Xenakis entsteht. Es handelt sich um eine Komposition für mehrere Tonbänder, die im Pavillon der Weltausstellung in Brüssel über ein System von 300 Lautsprechern erklingt. - Grete Wehmeyer, Edgard Varèse, Gustav Bosse Verlag, Regensburg. Seite 30: "Ausbruch in den Raum".
Virtuosität
meisterhaft vollendete Beherrschung einer (künstlerischen) Technik.
Wolf, Hans
geb. 1958 in Braunschweig. Klavier. Mitglied des Autorenensembles München. Klavierstudium incl. Meisterklasse an der Musikhochschule Freiburg i. Br. bei Prof. Edith Picht-Axenfeld (1976-1981). Aufbaustudium an der Musikhochschule München Neben traditionellem Klavierspiel gewannen in den letzten Jahren zunehmend die Gebiete der Improvisation, Komposition und des Musiktheaters an Bedeutung. Mitglied der Gruppe N.I.E. und vieler anderen Gruppierungen u.a. der Echtzeithalle München. Siehe www.hanswolf.de
wrap~
ein Objekt in Pure Data, das nur die Nachkommastellen weitergibt.
Letzte Änderung: 10.03.2009
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