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261. Montagsgespräch

Text Musik Text

Ulrike Döpfer
Dieter Trüstedt

Montag 20. April 2009 20 Uhr
Eintritt frei
Carl-Orff-Auditorium, München, Luisenstr. 37a, U-Bahn Königsplatz

Sechstes Montagsgespräch im Rahmen des Projektes MUSIK UND MATERIE
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München, dem Deutschen Musikrat, dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Echtzeithalle München.
4 weitere Montagsgespräche folgen.
Leitung: Dieter Trüstedt

1. Musik und Text, Musik und Sprache "verstehen" sich schlecht. Wohl am ehesten im Gesang.
Wo jedoch Musik und gesprochenes Wort gleichzeitig zu hören sind, muss sich der Hörer entscheiden. Meistens entscheidet er sich für die Musik. "Music always wins", sagte Samuel Beckett. Wenn sich der Hörer auf den Text konzentriert, stört ihn die Musik oder er nimmt sie nur vage wahr.
Es bleibt noch der Dialog zwischen Musik und Sprache, zwischen Klang und Wort. Kann der Hörer die Ebenen wechseln: von der Musik, der "Determination des Unbestimmten als reine Intensität" (Deleuze) zum Bestimmten, Meinenden, Unterscheidenden der Sprache?

Die Gleichzeitigkeit von Musik und Sprache ist allgegenwärtig in Film, Video, Werbung, öffentlichen Räumen. Im Montagsgespräch geht es darum, die vielfältigen Beziehungen zwischen Klang und gesprochenem Wort mit Hilfe von drei unterschiedlichen Texten der Moderne zu überprüfen.

Ulrike Döpfer

2. In den Proben mit Yoshi Oida (Paris und Werkhaus Moosach) zum Stück Komatshi ging es um Passagen, in denen zwischen Text, Musik und Tanz relativ schnell gewechselt werden sollte. Den Tanz mit Musik zu unterlegen funktionierte natürlich recht gut, nicht aber beim Text. Die Augen und die Ohren arbeiten weitgehend unabhängig voneinander. Die Störung der Textverständlichkeit durch die Musik war kritisch, soweit die Musik auf der gleichen Dringlichkeitsstufe blieb wie der Text. Die Musik als latente Folie im Hintergrund - klar, sie kann sogar der Sprache helfen, indem sie einen Raum für die Sprache erzeugt und gleichzeitig die notwendige Stimmung aufbaut. Sprache und Musik zu parallelisieren, kam für uns nicht in Frage, wir wollten keine Oper machen - die Sprache sollte Sprache bleiben.

Wir entdeckten, dass es für den Zuschauer / Zuhörer anstrengend ist, wenn zu schnell zwischen Sprach- und Musik-Inseln gewechselt wird. Wir entdeckten, dass reine Musik (auch zusammen mit Tanz) die Wahrnehmung öffnet und aus dem hier und jetzt wegträgt. Der Text holt den Wahrnehmenden zurück ins Konkrete, in den Sachverhalt, in die Fakten.

Es heißt, dass eine reine Musik (vielleicht auch eine sehr poetische Sprache) die Wahrnehmungsfelder intensiver öffnet, die informierende Sprache dagegen die Felder enger fasst. Die Musik entfacht ein Feuer, dass erst abklingen muss, wenn Informationen verarbeitet werden sollen.

In dem Montagsgespräch werden verschiedene Musikarten eingesetzt: Klangbilder, die vom Text beeinflusst sind
- zum Beispiel das unmittelbare Spiel mit einer gestrichenen Saite oder
- sich selbst steuernde Zeitstrukturen, die der Mathematik entnommen sind und eher aus der (latenten, gefühlsmäßigen) Vorstellung ausgewählt werden oder
- mechanisch ablaufende Klangmuster, die "live" dem verausgegangenen Text entsprechend am Computer gesteuert werden.

Dieter Trüstedt

Letzte Änderung: 15.04.2009
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