ECHTZEITHALLE e.V. MÜNCHEN
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MUSIKFEST der MGNM  

Samstag 16. März 2013

Schwere Reiter
Leonrodplatz, München

Siehe Ankündigung der MGNM von zwei Projekten aus der Echtzeithalle e.V., dem Autoren- und dem Helmholtz-Ensemble.

"12 min"
An den Ufern des Nichts

Im Block ab 22:30 Uhr

Hans Wolf - Klavier
Wolf-Dieter Trüstedt - Pure Data

Etwas.1 - Nichts - Etwas.2

Das Etwas darstellen zu wollen ist unsinnig, es könnte ja die ganze Welt sein - und das Nichts darstellen zu wollen, ist in sich widersinnig. Wir können nur eine Art Imagination erzeugen - vielleicht nur ein Ende und einen Anfang von Etwas. Die Unermesslichkeit sowohl von Etwas als auch von Nichts kann allenfalls benannt werden.

Stellen wir uns ein Stück leeren Raum vor, irgendwo im Weltall, markiert zum Beispiel durch 8 GPS-Punkte, also keine Wände, kein Inhalt. Aus diesem Raum haben wir in unserer Vorstellung alle Atome, Moleküle und Elementarteichen herausgepflückt. Dieser Raum ist dann immernoch nicht leer: Er ist durchsetzt von Lichtwellen und Kraftlinien - wir bekommen weder die Lichtwellen (oder Photonen) noch die Gravitationen aus diesen Raum heraus. Inspirierend ist zum Beispiel das Wissen, dass das Licht, die Photonenstrahlen, in diesem Raum uralt ist, viele Milliarden Jahre alt - ausgehend von weitentferten Galaxien.

Diese Gedanken versuchen wir zu provozieren - durch mehrere Transformationen dieser Vorstellung: Es gibt die räumliche Vorstellung, die Vorstellung der Leere, die Umsetzung der Vorstellungs-Eckpunkte in musikalische Werte, Begriffe und Formen. Das Klavier bildet den irdischen Bereich, das Anfaßbare, das Spielbare, vielleicht auch die traditionellen Muster in Form von festgelegten Tonhöhen, weiter entwickelt in unsere Zeit, in unser heutiges Erkennen und Verstehen. Die PureData-Musik verwendet reine Sinusschwingungen, auch die Schwingungen im weißen Rauschen - gefiltert zu neuen, akustischen Gebilden, zeitlich strukturiert - im Zusammenspiel mit der Musik des Klaviers.

Pythagoras' Schmiede

Im Block ab 22:30 Uhr

Musik für 5 Laptop-Spieler und eine Handelnde

Helmholtz-Ensemble: Veronica Hoffmann, Martin Siegler, Peter Dietz, Sebastian Loh und Dieter Trüstedt (Laptops)
und Sonja Hafenmayer (Handelnde)

Spieler #5 als Beispiel:
;
pyon 1 1 1 0 1 0 1 0;
pyv 10 11.5 13 14.5 16 17.5 19 20.5 10;
pypha 0 30 60 90 120 150 180 210;
pyff 60 61.5 63 64.5 66 67.5 69 70.5;

pyon bedeutet 8-kanaliges Spiel (wenn 8 unabhängige Lautsprecher zur Verfügung stehen, hier - die ersten 3, dann der 5. und der 7.), pyv bedeutet 8 Zeit-Ströme (hier - 8 Zeit-Dimensionen jeweils weitere 15 Prozent schneller als die Grunddimension), pypha bedeutet 8 verschiedene Phasen (hier - jeweils 30 msec später als der vorhergehende Zeit-Strom und pyff bedeutet 8 Midi-Zahlen (hier - Dreiviertel-Töne, also jeweils 150 cent höher als der vorhergehende Ton).

Die Lust an solchen mehrfachen Zeit-Strömen ist vielleicht von Naturwissenschaftlern nachvollziehbar, aber auch diese arbeiten lieber mit einem einzigen Zeit-Strom - so wie in der gewohnten Musik. Die Natur selbst liebt jedoch in ihren Phänomenen viele Zeit-Zimensionen gleichzeitig: das Feuer, die Schneeflocken, die Brandung, das Farbspektrum des Lichts durch die Brechung im Prima, das Zirpen der Zikaden, die Oberfläche eines Flusses etc.

Die verwendeten Klänge sind reine Sinus-Schwingungen und weißes bzw. gefiltertes Rauschen. Die Klangformen sind einfache Ein- und Ausschwingvorgänge. Die Melodien und Rhythmen sind unmittelbare Ergebnisse der beschriebenen mehrfachen Zeit-Ströme, der mikrotonalen Ton-Folgen und der Phasen-Differenzen.

Das Helmholtz-Ensemble arbeitet zur Zeit mit solchen Prozessen - mehrere Spieler gleichzeitig - jeder zusätzlich mit seiner Eigen-Zeit des Handelns - gesteuert durch das Hören auf das Spiel der anderen. Jeder Spieler hat dasselbe und selbstentworfene Programm pytsch auf seinem Laptop. Als Botschafterin unserer allein hörbaren Musik dient die Sichtbarkeit der Handelnden auf der Bühne.

Letzte Änderung: 10.03.2013
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