ECHTZEITHALLE e.V. MÜNCHEN
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Herbstausgabe 2013

Carl Orff Auditorium München, Luisenstr. 37a (U-Bahn U2 - Königsplatz)

Herbstausgabe 2013
ist ein Zyklus von fünf Veranstaltungen der Echtzeithalle e.V. in Zusammenarbeit mit dem Musiklabor der Hochschule für Musik und Theater München. Grundlage ist die  Interdisziplinarität zwischen Musik, Bildender Kunst, modernem Tanz, experimentellem Video und den (Natur-) Wissenschaften. Für die Herbstausgabe 2013 ist der Schwerpunkt Mathematik als Musik - als experimentelle und Computer- Musik im Zusammenspiel mit klassischen, akustischen Instrumenten (Autorenmusik).

Herbst.01

Montag 14. Oktober 2013 - 20 Uhr

URBAN - CYBER - VY CMa
Autoren-Ensemble: Elmar Guantes, Wilfried Krüger, Dieter Trüstedt und Hans Wolf

URBAN geht zurück auf die Zeit des Aufbruchs in die Moderne, die Zeit der Abstraktion und der konkreten Kunst, der "Grundlagenforschung" sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Musik. Es geht um die Farben Rot, Gelb und Blau - und um die Überlegungen von Charles Ives (Universe Symphony) oder Conlon Nancarrow (Studies for Player Piano). In URBAN wird die "Partitur" wie ein Farb-Test-Film projiziert und gleichzeitig wird an Piet Mondrian erinnert, an Bauhaus, Paul Klee und Wassily Kandinsky.
In URBAN werden 12 verschiedene Tempi eingesetzt (Polytempic). Sie sind berechnet analog zu den wohltemperierten Tonhöhen des Klavieres. Mit dem Computer lassen sich diese Überlegungen ohne weiteres realisieren - und auch spielen. Der Spieler des klassischen Klavieres (Hans Wolf) kann diese Vorgaben aufgreifen, reflektieren und als Musik kommentieren bzw. Kontraste setzen.
Der wahrnehmende Hörer wird ähnlich vorgehen: er erkennt die Stimmung, vielleicht die Fremdheit, die Komplexität, er wird Details aufgreifen oder von einem wahrgenommenen Bild zum nächsten springen.

CYBER ist eine Arbeit für Computer und Horn - und entstand für einen Vortrag zur Cyber-Sicherheit. Die Musik greift das Thema nur insofern auf, als hier ein analoges System (das Horn und sein Spiel) mit Musik „vernetzt“ wird, die den Computer als Musikinstrument verwendet. Das Zusammenspiel dieser beiden Systeme wird nicht als große Differenz verstanden, sondern als Ergänzung. Unsere heutige Musik lebt von der hohen handwerklichen Fähigkeit der Instrumentenbauer vor einigen hundert Jahren - aber nicht nur die Instrumentenbauer, sondern auch das naturwissenschaftliche Denken hat über den Weg der Mathematik unsere Musik vorangetrieben.
Es ist reizvoll Zahlenstrukturen, Folgen, Sequenzen, Formeln der Mathematik als Ausgangsmaterial zu verwenden. Der Quintenzirkel hat der klassischen Musik geholfen, die unendliche Vielzahl der Töne zu ordnen – warum nicht die Zahl Pi statt der 3 für den Zirkel (!) verwenden? Auch die Fibonacci-Reihe erzeugt eine überraschende Tonleiter, wenn die Zahlenfolge auf eine Oktave zurückgerechnet wird. Wir arbeiten mit solchen Konzepten.
Das Horn ist prädestiniert für die Tonfolgen, die Herrmann von Helmholtz erforscht und vor 150 Jahren publiziert hat. Diese Folgen werden in CYBER aufgegriffen – sowohl für die Tonhöhen als auch für die Tonabstände bzw. für die Tempi.

.VY CMa ist die wissenschaftliche Bezeichnung für den vielleicht größten Stern unseres Milchstraßen-Systems - in dem wir wohnen. CMa steht für Canis Majoris, d.h. CMa ist von uns aus gesehen im Sternbild Großer Hund. Elmar Guantes hat mir von diesem roten Riesen berichtet - und wir haben beschlossen, ihm ein kurzes Stück zu widmen. Elmar Guantes spielt den klassischen Kontrabass und ich spiele Computer. Der Kontrabass ist (auch) das größte Streichinstrument - siehe VY CMa. Ob jetzt in Quarten oder Quinten gestimmt - die Teiltöne werden in unserem Stück auch in den Tempi aufgegriffen: 3-4-5-6-7-8-9-10-11-12-13-14 sind die Zahlen der 12-fachen Zeitschichtung in der Musik.Es sind nicht nur diese Zahlen, sondern auch ihre reziproken Werte, die mitspielen – auch als Glissandi und als Cluster der Zeiten und Tonhöhen.

HERBST-01 ist als Skizze zu einer Art-Lecture über die benannten Themen zu verstehen. Wir werden von VY CMa ausgehend am Schluss eine Art musikalische Diskussion inszenieren, die Elmar Guantes leitet, d.h. wir spielen als Quartett (im klassischen „Konzert“-Verständnis).

Das Projekt Herbstmusik wird vom Kulturreferat der Stadt München, vom Kulturreferat des Bezirks Oberbayern, vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst und vom Bayerischen Musikfonds unmittelbar gefördert.

 

Letzte Änderung: 17.11.2013
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