ECHTZEITHALLE e.V. MÜNCHEN
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331. Montagsgespräch

bewusstes rauschen

Maria Rucker / Randolf Pirkmayer

Montag 22. Februar 2016 19-21 Uhr / Eintritt frei
Carl Orff Auditorium München Luisenstr. 37a, U-Bahn Königsplatz
Musiklabor München / Echtzeithalle e.V. / www.echtzeithalle.de

Zweites Montagsgespräch im Rahmen des Projektes Rauschen in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München, dem Bezirk Oberbayern, der Universität Ulm - und dem Musiklabor / der Echtzeithalle e.V.

Vollständiger Mitschnitt auf YouTube

wenn ich alle mir denkbaren Töne nebst ihren Obertönen auf einen Haufen werfe, höre ich - Rauschen
wenn ich am Samstag abends ins Tegernseer Bräuhaus gehe, höre ich - Rauschen
wenn ich dem Wind zuhöre, mich ans Meer setze, vom Berg ins Tal höre ...
wenn meine selektiven Filter aktivierbar sind, höre ich, im zweiten Bild - Schweinebraten mit Bier
wenn ich mich, im ersten Bild, sehr anstrenge, höre ich - Mozarts kleine Nachtmusik mit Anton Weberns Streichquartett Nr. 1,
untermalt von z.B. Madonna.

In technischen Geräten wie einem elektronischen Synthesizer ist Rauschen angelegt.
In einem Tamtam auch
Wir steuern diese beiden Klangerzeuger aufeinander zu und geben viel Zeit zur persönlichen Interpretation und Synthese.

Maria Rucker - Tamtamwerk
Randolf Pirkmayer - Virus
ca. 20 min

Das Herausfiltern von Klangereignissen aus der komplexen Komposition hat mich immer schon sehr interessiert.
Um z.B. die verschiedenen Töne des Wasserrauschens bewusst zu hören braucht es Konzentration - und Zeit.
Das Ergebnis kann sehr beruhigend sein. Die Komposition ist bestenfalls chemisch-physikalisch und nicht von Belang.
Sie reagiert auch auf Umwelteinflüsse wie Wind, Wetter, Wärmeänderungen. Wie wir auch.
Das hat mich auf die Idee der von mir so genannten "Direaktionalen" Musik gebracht, komprimiert aus den Worten
direkt und reagieren. Da ein akustisches Ereignis nicht einfrierbar ist braucht es die Komponente Zeit. Wir Menschen auch,
vorausgesetzt wir leben noch. Um Feinheiten in der akustischen Wahrnehmung geht es mir und nicht um Sensationen.
Das Rauschen in der Stille kann nur wahrnehmen, der still ist. somit setze ich bewusstes Rauschen der Stille aus
und entdecke dabei die Langsamkeit, die notwendig ist um erleben zu können (siehe M. Feldman).

Noch ein Wort zur Findung akustischer Ereignisse. Als Gewohnheitstier fordern wir Bekanntes und Anerkanntes.
Damit bewegen wir uns im Zirkel der Sensationen.
Aus dem Erleben der Stille heraus lösen einfache Klänge und Geräusche in uns kleine Sensationen aus
wenn wir sie zulassen
wenn wir uns dabei die Zeit gewähren hinzuhören.

Randolf Pirkmayer
PD
Mini Moog digital
Recorder
ca. 20 min

Letzte Änderung: 24.02.2016
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