ECHTZEITHALLE e.V. MÜNCHEN
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Phoneme und Phonemchen

287. Montagsgespräch

Dieter Trüstedt - Computer
Hans Wolf - Klavier

Montag 18. April 2011 20 Uhr / Eintritt frei
Carl Orff Auditorium München
Luisenstr. 37a, U-Bahn Königsplatz

Siebtes Montagsgespräch im Rahmen des Projektes
MUSIK UND SPRACHE in Zusammenarbeit mit der
Hochschule für Musik und Theater München,
dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München
und der Echtzeithalle e.V.

Dieses Montagsgespräch hat die Komposition "Zeitwerke" als Grundlage, eine Musik zwischen Computer und Klavier mit einer "automatischen" Zeitstruktur in Erinnerung an das 18. Jahrhundert, in dem Uhrwerke im Zentrum des wissenschaftlich-technischen Interesses lagen - neben den mathematisch-philosophischen Grundsteinlegungen u.a. durch Pascal, Euler und Leibnitz.

Als Klang dient uns in diesem Montagsgespräch, neben dem "natürlichen" Klavier, der Gesang, das Rufen, das Gezwitscher, das Schnattern, das Klappern, das Gurren, das Fauchen und Knarren verschiedener Vögel. Wir denken dabei auch an Olivier Messiaen, der 700 Vogelrufe unterscheiden konnte und sie u.a. in seinen Klavierwerken verwendete.

Wenn Vogellaute in der Frequenz zwei bis vier Oktaven tiefer gesetzt werden, hören wir die Komplexität der Vogelsprache, die Vibrati, die Lautverschiebungen, die Imitationen von Umweltgeräuschen, den Zorn, das An- und Weglocken, das Beruhigen, die Aufregung, das Täuschen, die Lust am nur Singen, die Laute der Nacht, des Morgens und des Abends, das Geschwätz der Spatzen, das Palaver der Gänse .....

Aus diesen Vogellauten werden kleine Klang-Körner hergestellt, mit einer Dauer von ca. 20 Millisekunden. Sind die Laute um mehr als drei Oktaven tiefer gesetzt, arbeiten wir mit Klangauflösungen von einigen Millisekunden Dauer. Es entstehen Gong ähnliche Bilder, wir hören auch Becken, Xylophone, schwere Hölzer, Metallophone, Steinspiele, stark gedämpfte Saiten, Kontrabass-Bilder bei den Blässgänsen, feine Glockenspiele gewonnen aus dem Lerchengesang ...

Diese Klänge werden in die folgende mathematische "Lyrik" gesetzt:

4/4 5/4 6/4 7/4 8/4 9/4
4/5 5/5 6/5 7/5 8/5 9/5
4/6 5/6 6/6 7/6 8/6 9/6
4/7 5/7 6/7 7/7 8/7 9/7
4/8 5/8 6/8 7/8 8/8 9/8
4/9 5/9 6/9 7/9 8/9 9/9

und auf diese Weise in Tonhöhe, Tondauer, Zeitpunkt und Lautstärke gesteuert. Einige Brüche genügen, damit wir in "Dur" oder in "Moll" oder in Gleichtonlinien oder im Nonenakkord, in natürlichen Septimen, in großen und kleinen Terzen, in natürlichen kleinen Halbtönen etc. spielen können. Hermann von Helmholtz hat aus aus dieser "Lyrik" die gesamte abendländische Musik "berechnet" und "bewiesen". Wir benutzen dieses Zahlenfeld als Zeitklangfenster für sonderbare Melodien und seltsame Rhythmen. Eine weitere Steuer-Methode öffnet dieses Raster für alle Zwischenwerte u.a. für Glissandi als emotionale handgesteuerte Spiel-Geste.

Das Klavier ist sozusagen der Gegenspieler, der Dialogpartner, die bekannte temperierte Skala - Hans Wolf spielt die Palette unserer Musik meisterhaft - in schnellen und präzisen Antworten, als Anregung für weitere Bilder, als Rahmen, Textur oder Folie.

 

Nach dem Konzert diskutieren wir das Konzept, die Klangerfahrungen, die Ideen, die Qualität der eingeschlagenen Wege und Irrwege.


Letzte Änderung: 18.04.2011
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