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236. Montagsgespräch im Musiklabor München

MUSIKAUTOMATEN I

Dieter Trüstedt

Die Herstellung von Klängen, die sich von selbst verändern und ohne zeitliche Begrenzung den (akustischen) Raum gestalten, wie es Formen und Farben vermitteln, ist alt. Bekannt sind Windspiele, Äolsharfen, Wasserspiele, dann die Glockenspiele und in letzter Instanz der Gedanke von John Cage: Wenn ich das Fenster öffne, höre ich Musik ("Fenstermusik") - die Autogeräusche, die Schiffshörner, die Sirenen, d.h. ich forme die Musik in meinem Kopf aus den Umweltgeräuschen - so auch Pauline Oliveros mit "Sonic Meditation".

Ende der 1960er und in den 1970er Jahren bauten wir, U & D Trüstedt, Musikinstrumente (Apparate, Geräte, Automaten) für Kunst-Ausstellungen, Messen und Eingangshallen. Ende der 1970er Jahre entstanden die Windharfen, Bewegungshologramme und Ballastsaiten. Wenn wir den Gedanken der "automatischen" Musik fortsetzen, kommen wir zum Player Piano von Conlon Nancarrow und zu den Klängen der modernen Laptop-Musiken, die wieder an das unten abgebildete Gerät anschließen.

Wir sollten unterscheiden zwischen Automaten, die einzelne Stücke spielen, also nur den Interpreten ersetzen (z.B. das Player Piano) und den Gedanken der "ewigen" Musik. Dennoch: die Geräte können dieselben sein. In diesen künstlerischen Konzepten wird die "Konserve" (CD-Spieler etc.) ausgeschlossen: die Musik muß "live" sein, irgendwie unvorhersehbar, überraschend, in diesem Moment tatsächlich "gespielt".

Der Laptop mit modernen Computerprogrammen (z.B. Pure Data von Miller Puckette) ist natürlich ein ideales Gerät für solche künstlerischen Konzepte. In diesem Montagsgespräch stelle ich das Mozart-Programm (Stadttheater Ingolstadt, 25. Nov. 2006) vor und den Einstieg in "Eight Patterns" von Tom Johnson (Paris), eine Arbeit, die am 3. Juli 2007 im Stadthaus Ulm aufgeführt wird. Neben dem Beispiel einer gewürfelten Musik und der Minimal Music hören und diskutieren wir auch Conlon Nancarrow und komplexe Rhythmus-Patterns auf dem Rechner.

Musikautomat aus dem Jahr 1971, Ulrike & Dieter Trüstedt, München 
mit 6 Tongeneratoren, 8 Multiplizierern, 2 Sechskanalmischpulten, 6 Steuerspannungsgeneratoren, 6 Resonanzfilter und Rauschgeneratoren, 2 spannungsgesteuerte Filter und Stereo-Endverstärker. 
Dieser analoge Synthesizer wurde für das Projekt "Statistic Eternal Music" entwickelt u.a. für: 
- Kunstforum München 1971 in der Ausstellung "Form, Licht, Bewegung" 
- Galerie Vitus, Nürnberg, 1971 
- Osram Messestand, Hannover, 1970-71 
- Experimenta 4, Frankfurt, Mai 1971

Dieter Trüstedt, Physiker und Künstler, München.

Montag, 15. Januar 2007 - 20:00 Uhr

Eintritt frei oder Spende.

Carl Orff Auditorium
München, Luisenstr. 37a
U-Bahn U2 Königsplatz

Musiklabor

Veranstalter:
Echtzeithalle e.V.
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München

Tel. 089 / 289 27 477 oder 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

Letzte Änderung: 14.01.2007
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