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244. Montagsgespräch

Luigi Russolo und der "Bruitist" Edgard Varese

Hans Rudolf Zeller

Die Musik des Futurismus ist das Werk eines Malers: Luigi Russolo, der sich nie Komponist genannt hatte, sondern musikalisch über eineinhalb Jahrzehnte bis 1930 der genialische Dilettant oder Bastler blieb, für dessen Produktionen und Instrumente sich die musikalische Avantgarde Europas lebhaft interessierte.  Fred K. Prieberg zeichnete in seinem 1960 erschienenen Buch "Musica ex machina" noch in einem ganzen Kapitel die Fernwirkungen dieses wahrhaft einmaligen Phänomens nach, als längst über ein anderes zu berichten war: die Entstehung der elektronischen Musik. Aber auch der Maler Russolo hatte inzwischen jenen Komponisten gefunden, der das in Frankreich "Russolophon" genannte Instrument äußerst positiv beurteilte: Edgard Varèse: "Ich bin sicher, dass die Möglichkeiten, die es bietet ... ihm binnen kurzem einen Platz im Orchester verschaffen." 

Dass der Futurismus Musik erstmals als Geräuschkunst definierte, kam Varèse  schon deshalb entgegen, weil er sie längst nach deren ungeschriebenen Prinzipien komponierte, ohne sich selbst ständig Bruitist zu nennen. Schon früh hatte sich Varèse  theoretisch bei Helmholtz umgesehen und dabei die musikalisch noch kaum genutzte Sirene entdeckt.
In Amériques fanden dann gleich zwei Sirenen Platz, und dies in einem Werk für großes Orchester mit allerdings viel Schlagzeug, das immer für viel Bruitismus gut war. 
Das setzte sich fort mit Hyperprism mit einer Sirene und den Intégrales für kleines Orchester ohne Sirene wie auch mit Arcana für großes Orchester bis zu Ionisation für 13 Schlagzeuger, zwei Sirenen und Klavier.
Das Poème éléctronique kommt ohne traditionelles Instrumentarium aus und in Déserts wechseln das Orchester und drei elektronische "interpolutionen" einander ab, um nur die hörbaren Emanationen des futuristischen Impulses zu erwähnen.

Montag 19. März 2007 20 Uhr
Eintritt frei oder Spende
Carl Orff Auditorium München, Luisenstraße 37a (Ecke Gabelsbergerstr.)
U-Bahn U2 Königsplatz

Musiklabor
Veranstalter: Echtzeithalle e.V. in Zusammenarbeit mit der
Hochschule für Musik und Theater München
Tel. 089 / 289 27 477 oder / 272 1856
www.echtzeithalle.de

Letzte Änderung: 14.03.2007
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