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248. Montagsgespräch

HEXAGONS
Zur Frage der Interpretation einer Komposition von Tom Johnson

Dieter Trüstedt

Tom Johnson schreibt:
HEXAGONS for accordion or another sustaining instrument
The numbers 1 to 19 represent 19 notes of the chromatic scale. Begin with the central chord (4, 11, 16). Following the lines, move to adjacent chords, always sustaining two voices and moving the third voice. Move slowly, carefully, until each of the 63 chords has been played at least once, returning finally to (4, 11, 16).

Hexagons ist Maik Hester gewidmet, Konzertakkordeonist und Musikwissenschaftler (Dortmund) - während einer Zusammenarbeit entstanden. Wir von der EMU spielen nicht Akkordeon, haben aber Gefallen an dem Konzept, den Strukturen und den Klanggebilden, und vor allem, wir sind mehrere Spieler, daher die Frage: Lassen sich die Hexagons auch von einem Laptop-Ensemble interpretieren?

Andhi Pabst hat zunächst das Hexagonfeld als interaktive Java-Computergrafik entwickelt. Ein Dirigent zeigt das jeweils nächste Zahlentrippel an. Gleichzeitig wird angezeigt, welche Zahl sich verändert hat. Das Ensemble ist in 3 Gruppen aufgeteilt: Jede Gruppe spielt die gleiche Tonhöhe. Alle Spieler haben das gleiche Computermusik-Instrument. Soweit ist zur Zeit unsere Interpretationsarbeit. Die Klänge sind - wie verlangt - konstant bzw. fast konstant, denn leichte Schwebungen sind einstellbar, ähnlich wie beim Akkordeon oder bei Klavierklängen.

In diesem Montagsgespräch werden verschieden Interpretationsmöglichkeiten der Hexagons im Kontext Ensemble und Computermusik diskutiert. Die verschieden Computerprogramme werden kurz erläutert: Oberton-/Formant-Reihen, farbiges Rauschen (u.a. Nonenrauschen), lang gestrichene oder angeblasene Saitenklänge, Horn-oder Bassrohr-Klänge. Soll z.B. die Konsonanz bzw. Dissonanz der Zusammenklänge deutlich hervortreten oder eher verwischt sein, wird einer der Diskussionspunkte sein.

Tom Johnson hat die Kombinationsmöglichkeiten begrenzt, damit der Akkordeonspieler, die Töne noch greifen kann. In der Computermusik können wir diese Einschränkung aufgeben. Und weil wir uns u.a. dem Arbeitsfeld "Kunst und Wissenschaft" widmen, können die Spielwege auch zyklische, chemische Formeln sein. Die Vorschrift "move slowly, carefully" ist geblieben, denn sie gibt der Musik Stärke.

Das Emsemble EMU - spielt die Hexagons:
- Pfingstsymposion 26. Mai 2007 München, Nymphenburger Schlossrondell.
- Experimentelles Konzert 3. Juli 2007, Stadthaus Ulm
- Musiklabor Herbst 2007, 4.-8. Oktober 2007, München / Ulm (Stadthaus)

 

Computer-Grafik von Andhi Pabst, Medien-Informatik Universität Ulm -
nach dem Konzept von Tom Johnson entworfen.
Diese Grafik zeigt für das EMU-Ensemble den jeweils zu spielenden Akkord an.

Tom Johnson, 1939 in Colorado geboren, wurde von der Yale Universität diplomiert, und studierte später Komposition bei Morton Feldman. Nach 15 Jahren in New York, übersiedelte er nach Paris, wo er seit 1983 wohnt. Er wird als Minimalist betrachtet, weil er meistens mit einfachen Formen, kleinen Tonlagen und mit allgemein begrenzten Material arbeitet, aber er geht logischer als andere Minimalisten vor, oft Formeln, Permutationen, und voraus-sehbare Reihen benutzend.
www.editions75.com

EMU-Ensemble, seit 1986. Es sind Studierende der Universität Ulm und Künstler der Musik, der Bildenden Kunst und des modernen Tanzes. Das Musiklabor der EMU steht auf dem Campus der Universität Ulm - und arbeitet mit den Naturwissenschaften verschiedenster Fakultäten zusammen. Die Ergebnisse werden sowohl im künstlerischen als auch im wissenschaftlichen Kontext aufgeführt, präsentiert oder ausgestellt.
www.uni-ulm.de/emu

Dieter Trüstedt, geb. 1939 in Berlin, Studium der Physik an der TU München und Promotion bei Maier-Leibnitz (Atomphysik). Seit 1969 Entwicklung elektronischer und akustischer Musik und Bau der Musikinstrumente. Lichtkunstprojekte. Performances u.a. mit Ulrike Trüstedt, Angela Dauber, Ulrike Döpfer, Jessica Billeter, Hans Wolf, Isolde Werner. Musik zu Interrogations - Yoshi Oida - mit Aufführungen weltweit. Lehraufträge an der HdK Berlin, der Universität Ulm und der Musikhochschule München. Experimentelle Musik und Kunst Universität Ulm, Echtzeithalle und Musiklabor München.
www.luise37.de

Montag 7. Mai 2007 20 Uhr
Eintritt frei oder Spende
Seminarraum TU-Mensa 2. Stock, Arcisstr. 17, Eingang Gabelsbergerstraße
U-Bahn U2 Königsplatz

Musiklabor
Veranstalter: Echtzeithalle e.V. in Zusammenarbeit mit der
Hochschule für Musik und Theater München
Tel. 089 / 289 27 477 oder / 272 1856
www.echtzeithalle.de

Letzte Änderung: 16.07.2008
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