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191. Montagsgesprch im Musiklabor Mnchen

Conlon Nancarrow und neue knstlerische Wege in der Klaviermusik

Hans Wolf

Conlon Nancarrow gehrt hnlich wie Charles Ives zu jenen amerikanischen Einzelgngern, die fr die Musikentwicklung des 20. Jahrhunderts von entscheidender Bedeutung waren. Etwa 40 Jahre lang komponierte Nancarrow fast ausschlielich fr das sog. Player Piano (elektrisches oder mechanisches Klavier).

Vom Boogie-Woogie zur Abstraktion: 
seine Biographie und sein kompositorischer Werdegang werden kurz skizziert. An Klangbeispielen sollen fr seinen Player Piano-Stil charakteristische Klang- und Strukturelemente demonstriert werden, mit dem er seine ca. 50 Studies gestaltete, wie z. B.: Extreme Geschwindigkeiten, Tonhufungen und Stimmschichtungen, Triller, Tremoli und Tonrepetitionen, weite Sprnge, Arpeggien und Glissandi, komplexe Polyphonie und Polyrhythmik, metrik und tonalitt, unterschiedlichste Arten von Tempogestaltung, wie z. B. abrupter oder kontinuierlicher Geschwindigkeitswechsel, auskomponierte Temposchwankungen oder die Synchronisation mehrerer verschiedener Tempi, wie etwa einer konstanten mit wechselnden Geschwindigkeiten.

Es soll ein Vergleich zu meinen Anstzen der Klavierimprovisation und des instant Composing gezogen werden (Life- Demonstration); unabhngig voneinander entstandene Gemeinsamkeiten sollen aufgezeigt werden. Diese Anstze gehen aus einer evtl. hnlichen Unzufriedenheit mit den konventionellen Mglichkeiten des Klavierspiels hervor wie bei Nancarrow. 

  • Auf welches weitere, von Nancarrow stark unterschiedene Klangmaterial bin ich bei meiner eigenen Klaviermusik gestoen? Untersucht und auch zur Diskussion gestellt werden sollen u. a. noch folgende Punkte: 
  • Welchen Reiz bt eine strikte Materialbeschrnkung aus (wie z. B. die auf das Player Piano), bzw. welche Implikationen ergeben sich dadurch? 
  • Wie wirkt sich die Loslsung vom Menschen als interpretierendes Subjekt von Kompositionen bei Nancarrow aus und welche Auswirkungen hat dieses Vorgehen auf und bei anderen zeitgenssischen Komponisten? 
  • Bei einigen Kompositionen von Nancarrow (wie auch etwa von Pierre Boulez) werden mathematische Formeln zugrundegelegt. Wie wirkt sich dieses Verfahren unmittelbar auf die intellektuelle und emotionale Interpretation des Gehrten aus? 
  • Inwieweit ist das akustische Ergebnis ein als sinnvoll erlebtes oder gar nachvollziehbares Abbild solcher zunchst auermusikalischen Strukturen? Im groben berblick: 
  • Welche Wege beschritten andere zeitgenssische Komponisten wie John Cage, George Crumb, Wolfgang Rihm, Brian Ferneyhough, Helmut Lachenmann auf der Suche nach neuen Mglichkeiten des Klavierspiels?

Hans Wolf, geb. 1958 in Braunschweig. Klavierstudium incl. Meisterklasse an der Musikhochschule Freiburg i. Br. bei Prof. Edith Picht-Axenfeld (1976-1981). Aufbaustudium an der Musikhochschule Mnchen (1990-1995) mit den Schwerpunkten Musiktheorie (Prof. Khn, Prof. Enjott Schneider), zeitgenssische Musik (Prof. v. Bose, Prof. Dibelius, Prof. Gruber), Liedbegleitung (Prof. Mauser). Studium in Improvisation, Jazz und Arrangement am Konservatorium (Th. Zoller) und Freien Musikzentrum in Mnchen. Diplomarbeit 1995 ber Improvisationsunterricht mit eigenen Klavierschlern. Teilweise parallel dazu Durchfhrung eines Medizinstudiums (1977-1985) in Freiburg und Mnchen, mit lngeren Studienaufenthalten in den USA (Philadelphia) und Dnemark (Kopenhagen). Berufsttigkeit als Stabsarzt (in Stade, 1986) und in der Hirnforschung (Neuroendokrinologie in Ulm, 1987). Seit 1990 wieder ganz der Musik zugewandt. [.....] Neben traditionellem Klavierspiel mit all seinen Mglichkeiten gewannen fr Hans Wolf in den letzten Jahren zunehmend die Gebiete der Improvisation, Komposition und des Musiktheaters an Bedeutung: (Ur-)Auffhrungen: Zeitgenssische Musik, klass. Moderne und neues Musiktheater. [.....] Ensembles fr freie Improvisation aus Mnchner Avantgarde- und Jazzkreisen: u.a. die Gruppe N.I.E. (New Improvisors Ensemble). [.....] Pianist bei Musiktheater- und multimedialen Projekten. [.....] Pdagogische Ttigkeiten: Klavierpdagoge mit neuen kreativittsbetonten Konzepten, Klavierspieltechnik nach der Langenhan- Serkin-Schule, klass. Unterricht auch als Vorbereitung fr die Aufnahmeprfung an Musikhochschulen, incl. Theorie und Gehrbildung. Unterricht in Rock-, Pop- u. Jazz-Piano und sonst. Klavierimprovisation; Entwicklung und Leitung von Improvisations- und Kompositionskursen. Lebt und arbeitet in Mnchen.

Montag, 20. Juni 2005 - 20:00 Uhr

Eintritt frei

Carl Orff Auditorium
Mnchen, Luisenstr. 37a
U-Bahn U2 Knigsplatz

Musiklabor

Veranstalter:
Echtzeithalle e.V.
in Zusammenarbeit mit der Hochschule fr Musik und Theater Mnchen

Tel. 089 / 289 27 477 oder 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

 
Letzte nderung: 10.01.2007
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