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200. Montagsgespräch im Musiklabor München

Hans Rudolf Zeller

Luc Ferrari und die Geschichten der Musik

Luc Ferrari hat nie die Rolle des großen Komponisten zu spielen versucht und dabei doch ungleich mehr bewegt als manch andere, die sich so anmaßend in ihr gefielen. 1929 in Paris geboren, wandte er sich nach zahlreichen Werken für Klavier - ein Instrument, dem er auch als Komponist zeitlebens die Treue hielt - bereits 1958 der Musique concrète zu, deren von Pierre Schaeffer skizziertes Programm er schon 1964 durch sein Konzept einer "anekdotischen Musik" folgenreich aktualisierte. Seit damals muss sie nicht mehr unbedingt der mittlerweile gleichsam absoluten elektronischen Musik nacheifern, sondern kann variablere Aufgaben erfüllen. Vor allem setzt sie nicht mehr ein weltweit operierendes Studio voraus, sondern kann sich auch mit bequem tragbaren Geräten, wenn nötig mit ein paar Walkmen begnügen. Denn worauf es in der Frühzeit der Tonbandmusik vor allem ankam, auf die Vielzahl der Transformationstechniken und deren präzise Anwendung auf die gegebenen Klangquellen, ist nun nicht mehr entscheidend. Wenn nämlich auch Geschichten erzählt werden dürfen, ist vielmehr die Genauigkeit der Wiedergabe mindestens ebenso wichtig. Darin besteht der Sinn eines Stücks, das Ferrari selbst Presque rien (Fast nichts) nannte oder "Sonnenaufgang am Meeresufer", nichts weiter. Ferraris Methode ermöglichte aber auch ausgedehnte Hörexpeditionen, die er selbst auf seinen Reisen durch die USA realisierte, wo gerade auf zunächst ganz unscheinbare Geräusche, wie durch ein Vergrößerungsglas oder vielmehr durch elektroakustische Verstärkung blitzartig hervorgehoben werden konnten und den Verlauf derart rhythmisierten. Am 22. August 2005 ist der Vielbeschäftigte, noch immer so gut wie Ausgebuchte, der in seinen Regalen 30 Jahre Musik gespeichert hatte und in den kommenden Jahren zu publizieren gedachte, während eines Urlaubs in der Toskana gestorben.

Montag, 7. November 2005 - 20:00 Uhr

Eintritt frei

Carl Orff Auditorium
München, Luisenstr. 37a
U-Bahn U2 Königsplatz

Musiklabor

Veranstalter:
Echtzeithalle e.V.
in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater München

Tel. 089 / 289 27 477 oder 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

Letzte Änderung: 10.01.2007
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