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19. Montagsgespräch der Echtzeithalle im Einstein

Wittgenstein über (gegen) Kausalität

Thomas Hölscher

Ludwig Wittgenstein (1889-1951) ist für mich der experimentellste Philosoph des 20. Jahrhunderts. Das „Hasen-Enten-Bild“ (das im Hintergrund stehende Umkippbild)hekopf.gif (3714 Byte) könnte sein Wappentier, sein Markenzeichen sein. Denn immer, vor allem in seinem späteren Werk, ist er darauf aus herauszufinden, was „auch anders möglich“ ist, mehrere mögliche Sichtweisen zu aktivieren, wo dem verkümmerten, auch philosophischen, Normalblick nur eingeschliffene, fixe Verhältnisse entgegentreten. Er ist ein unruhiger, gärender Geist, der aber nicht mit dem Pathos des Existentialisten, auch nicht als grundstürzender Avantgarde-Revolutionär auftritt, vielmehr im Gewand des kühlen Logikers und Sprachanalythikers. Mehr an der „Denkbewegung“ als an Resultaten interessiert, „prozessiert“ er seinen Denkimpuls in einer virtuell unabschließbaren Serie von Gedankenexperimenten, Versuchsanordnungen, alternativen Denkmodellen und Probedenksituationen, die er in geschliffener, spielerisch gehandhabter, oft dialogisch angelegter Sprache konstruiert.

Die Kausalität, das Kausaldenken, als eines der Fundamentalkonzepte unserer modernen wissenschaftlichen Zivilisation, blockiert nach Wittgenstein jene Offenheit für das Andersmögliche, die Vielfalt der Erscheinungen. Sind Behauptungen wie

  • Der ganzen modernen Weltanschauung liegt die Täuschung zugrunde, daß die sogenannten Naturgesetze die Erklärungen der Naturerscheinungen seien.
  • Einen Zwang, nach dem Eines geschehen müßte, weil etwas anderes geschehen ist, gibt es nicht.
  • Warum soll es keine psychologische Gesetzmäßigkeit geben, der keine physiologische entspricht? Wenn das unsere Begriffe von der Kausalität umstößt, dann ist es Zeit, daß sie umgestoßen werden.

nur die typischen Sprüche eines Querkopfes – oder steckt mehr dahinter?

Dr. Thomas Hölscher beschäftigt sich mit Kunst, Kultur, Medien und Philosphie.

Montag, 8. Mai 2000

19:30 Uhr Impulsvortrag, Gespräch
Eintritt frei

München Einsteinstr. 42 U4/U5 Max-Weber-Platz
Foyer im Einstein

Veranstalter: AG Experimentelle Kunst und Echtzeithalle e.V.

München Tel. 089 / 2721856
www.echtzeithalle.de  

Letzte Änderung: 10.01.2007
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